Project Description

Hilfe für Geflüchtete in Rojava/Syrien

Im April/Mai 2024 sind wir von unserer Hilfsmission in der kurdischen Region Rojava im Nordosten Syriens zurückgegekehrt. Unsere Eindrücke und die Menschen dort haben Spuren in unseren Herzen hinterlassen und wir sind dankbar und stolz zugleich, dass wir wieder wichtige Unterstützung vor Ort leisten konnten. Möglich gemacht haben das Hunderte Menschen in Österreich und Deutschland: Durch ihre Geldspenden und hochqualitative Sachspenden, sowie unzählige helfende Hände – eben eine echte Karawane der Menschlichkeit.

Ganz im Nordosten des ehemaligen Syriens, angrenzend an die Türkei und den Irak liegt ein kurdisches Gebiet Namens Rojava. Dort leben abertausende Binnengeflüchtete. Teilweise waren es wohlsituierte Familien, die über Nacht vom IS oder der Türkei aus ihren Heimatorten vertrieben wurden und nun seit Jahren auf engstem Raum, in riesigen Zeltcamps für Geflüchtete leben. Von all ihrem einstigen Wohlstand konnten sie kaum etwas mitnehmen und das wenige Ersparte ist längst aufgebraucht. Unzählige Kinder in diesen Camps kennen kein anderes Leben mehr, als das zwischen vier Wänden aus Plastikplane und einer Welt hinter Maschendrahtzaun.

Unser Team besuchte mehrere dieser riesigen Geflüchtetencamps mit jeweils knapp 20.000 BewohnerInnen. Unsere Clownshows und Malworkshops ermöglichten es uns, den dort lebenden Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen durch unsere Anwesenheit Hoffnung und Lebensfreude zu schenken.

Dank der vielen Spenden durch unsere UnterstützerInnen konnten wir eine große Photovoltaik-Anlage mit Pufferspeicher für ein Krankenhaus in der größten Stadt der syrischen Region Rojava errichten. Damit können nun die täglichen Stromausfälle im Spital überbrückt und eine dauerhafte Krankenversorgung gewährleistet werden.

Im Verlauf des syrischen Bürgerkrieges war die Region Rojava immer wieder blutig umkämpft. In Mittel- und Westeuropa wurde darüber vor allem wegen des Vormarsches des Islamischen Staates (IS) berichtet. Tatsächlich waren und sind bis heute viele Akteure an diesem Gebiet interessiert. Während der IS mittlerweile weitestgehend zurückgedrängt wurde und nur noch an wenigen Orten offen zu Tage tritt, schlafen andere Akteure ganz und gar nicht. Vor allem ist die Türkei derzeit ein militärischer Aggressor gegen die BewohnerInnen Rojavas.

Aber auch die USA und Russland sind militärisch präsent. Mindestens zehn US-Militärbasen befinden sich in Rojava. Das Wohlbefinden der kurdischen Bevölkerung ist aber leider auch hier nicht Mittelpunkt des Interesses. Rojava ist reich an Erdöl – mehr muss man dazu wohl nicht schreiben…

Männer und Frauen gleichermaßen kämpfen bis heute teils in Guerilla-Taktik gegen die Unterdrückung und Ausbeutung durch fremde Mächte. Zwar haben sie derzeit eine gewisse Autonomie erreicht und können die „Föderation Nordsyrien – Rojava“ großen Teils selbst verwalten, jedoch bleibt von der Wertschöpfung des schwarzen Goldes nur wenig im Land und bei der Bevölkerung hängen.

Zudem sind die Handelswege sehr limitiert. Das von Assad regierte Syrien sieht sich dieses Landstriches beraubt und unterbindet größere Handelsbeziehungen, während die EU durch seine strikten Syrien-Sanktionen auch die Menschen in Rojava schädigt. Auch die Türkei möchte die KurdInnen Rojavas am liebsten aushungern, also läuft ein Großteil des Handels über kleine, teils inoffizielle Grenzübergänge zum benachbarten Nordirak, das ebenfalls eine autonome, kurdische Regierung hat.

In den letzten Jahren konnten wir viel Erfahrung beim Sammeln, Sortieren und vorallem beim Transport der Sachspenden und der damit verbundenen – oftmals mühsamen – Bürokratie sammeln. Obwohl uns viele befreundete Hilfsorganisationen schon im Vorfeld prophezeiten, dass es eine wahre logistische und organisatorische Meisterleistung sei, einen LKW voller Hilfsgüter nach Syrien zu transportieren, wollten wir das scheinbar Unmögliche versuchen. Unser Ziel war, die dringend benötigten und von uns gut vorsortierten HIlfsgüter in Rojava optimal zu verteilen.

Umso größer war dann unsere Freude, dass es unseren Karawanis gelungen ist, das schier unmögliche wahr zu machen. Nach Wochenlangen bürokratischen Kämpfen haben über zehn Tonnen Sachspenden (Schulmaterialien, Spielsachen, Windeln, Rollstühle, Fahrräder, Waldviertler-Schuhe, …)  alle Zollformalitäten durchlaufen und durften schließlich die Grenzen passieren!

In der Gegend um die Stadt Qamischli herum konnten wir dann auch alles an die Menschen verteilen, die all diese Dinge dringend benötigen. Schon im Vorfeld des Projektes haben unsere beiden Partnerorganisationen vor Ort (die NGOs „You are welcome“ und „Jinda“)  uns Listen mit den benötigten Dingen zusammengestellt und wir konnten so zielgerichtet sammeln.

Mit den 36.141,36,- € Geldspenden konnten wir unter anderem wichtige Projekte unterstützen, wie z.B. ein Straßenkinder-Projekt, ein Zentrum für Kinder mit Beeinträchtigung und ein Women-Empowerment-Projekt. Außerdem kauften wir dringend benötigte Hilfsgüter vor Ort und verteilten diese direkt an die Menschen.
  • Mit 16.000 € der Geldspenden finanzierten und errichteten wir eine große Photovoltaik-Anlage inkl. Speicher für ein Krankenhaus in Qamischli. Bei den alltäglichen Stromausfällen kann dort nun unabhängiger und sicherer gearbeitet werden.
  • In wochenlanger Arbeit wurden 10.740 kg Sachspenden gesammelt, sortiert und in den LKW verladen. Nach nervenaufreibenden, bürokratischen Mühen ist es uns schließlich doch gelungen, den LKW über die syrische Grenze zu bekommen und unsere Karawanis konnten die Hilfsgüter vor Ort verteilen.
  • Heini Staudinger und sein Unternehmen GEA Waldviertler hat wieder 1.000 Paar Waldviertler Schuhe beigesteuert, welche ebenfalls ihre glücklichen, neuen Besitzer erreicht haben.
  • Unsere beiden Clowninnen haben elf Clownshows für ca. 1.300 Kinder abgehalten.
  • In acht mobilen Malräumen konnten an die 630 Kinder nach Herzenslust malen und zeichnen und ihren Emotionen freien Lauf lassen.
  • Mit dutzenden Fahrrädern konnte ein Frauen-Fahrrad-Club unterstützt werden. In diesem Empowerment-Projekt lernen Mädchen und Frauen gemeinsam Radfahren. Frauen auf dem Fahrrad sind – trotz gesetzlicher Gleichstellung von Mann und Frau – in Rojava eine Seltenheit.
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„Für die Menschen vor Ort, die sich von Feinden umringt und von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen fühlen, hatte unser Hilfseinsatz eine ganz besondere – vor allem eine emotionale – Bedeutung.“

MEIKE DIRKSEN • KARAWANE DER MENSCHLICHKEIT